er Begriff Ritter, ruft bei den meisten Menschen ein ganz bestimmtes Bild hervor. Ein stolzer Edelmann in seiner glänzenden Rüstung auf einem prachtvollem Schlachtross.
Doch entspricht das der Realität? Waren die Ritter wirklich das, was wir aus unzähligen Filmen und Büchern zu kennen glauben? Das zu hinterfragen und eventuell aus einem anderen
Blickwinkel zu betrachten, soll Bestandteil dieses Projekts sein.
Die Entstehung des Rittertums, könnte man gleichbedeutend mit der Enwicklung vom einfachen Krieger zum schwerbewaffneten Reiter sehen, der als Vasall im Dienste eines Herren stand. Im 6. Jahrhundert gab es in Europa meist noch eine Kriegerschaft aus dem einfachen Volke, die im Kriegsfall zu den Waffen griff und ihrem Fürsten in die Schlacht folgte. Doch nun bildete sich langsam eine Elite heraus, deren einzige Tätigkeit das Kriegshandwerk war und die zu diesem Zwecke eine kostspielige Ausrüstung, Pferde und Gefolgsleute benötigte. Diese Berufskrieger wurden von ihrem Herren mit einem Lehen ausgestattet, was sie zur Treue verpflichtete und ihnen ermöglichte, ihre Kampfbereitschaft zu finanzieren und bei Bedarf eine gewisse Anzahl von Bauern zum Waffendienst zu verpflichten. Nun gab es die Gruppe der Krieger und die Gruppe der Bauern die nur im Bedarfsfall kämpften da sie sonst die Felder bestellten, die Versorgung sicherten und allerlei Arbeiten verrichten. Diese Bauern waren zwar dem Vasallen zum Dienste verpflicht und damit auch seiner Willkür ausgesetzt, doch ebenso genossen sie seinen Schutz und waren nicht mehr hilflos Plünderern und Räubern ausgeliefert.
Im 12. Jahrhundert bestand die Kriegerschaft noch aus den Adligen, den Freien und den Ministerialis, den unfreien Dienstleuten. Eine Kriegerschaft in der die sozialen Unterschiede noch von Bedeutung waren. Doch der gemeinschaftliche Waffendienst ließ eine neue Gruppe entstehen, die Ritter. Wer dem Ritterstand angehörte sollte sein Leben nach folgenden Tugenden ausrichten: Höfischkeit, Mildtätigkeit, Treue und Gerechtigkeit, alle Frauen und Jungfrauen ehren und die Armen beschützen.
Trotz aller sozialen Unterschiede der Ritter und trotz der militärischen Konflikte zwischen den christlichen Nationen, verstand sich die Ritterschaft als eine Gemeinschaft. Das zeigte sich vor allem in der Zeit der Kreuzzüge. Gottes Wort mit dem Schwerte zu verteidigen war eine gemeinschaftiche Mission, es war eine Pflicht, der jeder wahre Ritter nachkommen wollte. In der Ethik des Rittertums verschmolzen christliche, kriegerische und aristokratische Komponenten miteinander.

Darstellung eines ritterlichen Turniers
aus dem "Codex Manesse"
Das Bild vom schwerfälligen, ungestüm draufhauenden Ritter in seiner fast unbeweglichen Rüstung, gehört der Vergangenheit an. Die oberflächliche Recherche früher Film-Produktionen führte dazu, dass der Zuschauer einen völlig falschen Eindruck von der Kampftechnik der Ritter bekam.
Heute wissen wir, dass die Ritter körperlich gut durchtrainiert waren und über hochentwickelte Kampftechniken verfügten. Angesehene Fechtmeister entwickelten diese Kampfsysteme weiter und hielten sie in den sogenannten Fechtbüchern schriftlich fest. So zum Beispiel Johannes Liechtenauer im 14. Jhdt, Hans Talhoffer (etwa 1420 - 1490) und Paulus Kal (Mitte des 15. Jhdts).
Gut ausgebildete und voll gerüstete Ritter waren eine mächtige militärische Einheit. Sie hatten keine Probleme, sich auch gegen mehrere unberittene Angreifer, die über keine besondere militärische Ausbildung und Ordnung verfügten, erfolgreich zur Wehr zu setzen. Das Pferd eines Ritters war so trainiert, auf Kommando jeden niederzutrampeln der sich in dem Weg stellte und war meist durch eine Pferde-Rüstung oder einen schweren Wams gegen leichte Hiebe und Pfeile geschützt. Mit seinem Langschwert, der Streitaxt oder dem Steitkolben konnte der Ritter mühelos zu beiden Seiten tödliche Schläge austeilen. Schild und Rüstung schützten relativ gut gegen Pfeilbeschuss und mit der Lanze konnte er aus sicherem Abstand seine Gegner aufspießen oder schwer verletzen. Ohne einen organisierten Angriff, war ein Ritter praktisch nicht zu bezwingen.
Auch zu Fuß waren Ritter weder besonders unbeholfen oder durch ihre Rüstung besonders eingeschränkt, wie es immernoch in vielen Abhandlungen zu lesen ist. Versuche mit originalgetreu angefertigten Rüstungen haben gezeigt, dass ein gut trainierter Kämpfer, auch in einer 30 Kilo schweren Rüstung, sich durchaus geschickt bewegen und mit seinen Waffen umgehen konnte.

anz anders sah die Sache aus, als sich den Ritterheeren hunderte von ausgebildeten Bogen- Armbrust- und Arkebusen-Schützen und Pikenieren in geschlossenen Formationen entgegenstellten.
Diese neuen Taktiken leiteten im 14. und 15. Jahrhundert allmählich das Ende der Ritter als überlegene Kämpfer ein.
Und zwar zu einem weitaus größeren Anteil, als es die ersten Feuerwaffen taten.
So kam es in der Schlacht bei Sempach, im Jahre 1386, dass eine Armee aus Schweizer Bauern, die schwer gepanzerten und kampferfahrenen österreichischen Ritter besiegte.
